Deutsches Kultur- und Bildungszentrum e.V.

Dollendorfer Straße 412
53639 Königswinter-Heisterbacherrott
 Telefon 02244 / 886-0
eMail info@hausschlesien.de

Schlesische Projekte

Internationale Arbeitstagung zum Europäischen Denkmaltag 2005

 Tagungsprogramm
 Bericht General-Anzieger vom 27.01.2005

 Teilnehmer von staatlichen Denkmalbehörden und privaten Denkmalinitiativen
 Abwechslungsreiches Tagungsprogramm
 Bewußtsein schaffen für das kulturelle Erbe
 Programmvorschau auf den Denkmaltag am 17. / 18. September 2005

In Haus Schlesien fand vom 25. bis 28. Januar die 1. deutsch-polnische Arbeitstagung zum Europäischen Denkmaltag 2005 statt. Rund 60 Partner aus polnischen Denkmalorganisationen, Archiven, Museen und Geschichtsvereinen sowie entsprechende deutsche Partner waren der Einladung ins HAUS SCHLESIEN gefolgt. Die Tagung bot Rückblicke auf den 1. Denkmaltag Niederschlesiens und diente der Vorbereitung des diesjährigen Denkmaltages am 18./19. September 2005, der unter dem Motto "Schlösser, Parks und Gärten" steht. Die Finanzierung übernahm das Sächsische Staatsministerium des Innern, Dresden.

Teilnehmer von staatlichen Denkmalbehörden und privaten Denkmalinitiativen

TagungsteilnehmerDer Teilnehmerkreis setzte sich aus wichtigen Vertretern staatlicher Denkmalbehörden sowie privater Denkmalinitiativen zusammen. Die Oberen Denkmalbehörden von drei schlesischen Woiwodschaften entsandten Vertreter. Seitens der schlesischen Hochschulen waren Lehrkräfte des neuen Denkmalpflegeinstituts an der Fachhochschule Neisse gekommen sowie Angehörige des Kunsthistorischen Instituts der Universität Breslau. Von Forschungseinrichtungen waren Mitarbeiter des Universitätsarchivs Breslau und des Staatsarchives Breslau anwesend sowie der Leiter des Breslauer Regionalbüros des „Zentrums für die Erforschung und Dokumentation von Kulturdenkmälern“, das für die Durchführung des Denkmaltages in Polen zuständig ist. Führende Vertreter privater Denkmalinitiativen kamen aus Goldberg/Złotoryja, Leubus/Lubiąż, Lüben/Lubiń, Neisse/Nysa, Nimptsch/Niemcza, Schömberg/Chelmsko Sl. und Steinau/Scinawa. Auch Museumskollegen aus Brieg/Brzeg, Landeshut/Kamienna Góra und Grünberg/Zielona Góra waren der Einladung gefolgt. Geleitet von der Erkenntnis, dass Denkmalkunde auch den Nachwuchs angeht, waren Schulleiter aus Erdmannsdorf/Mysłakowice, Dyherrnfurt/Brzeg Dolny und Leubus gekommen. Die Verbundenheit mit dem Thema "Zucker" zeigte sich durch Teilnahme des Direktors der Zuckerfabrik Schweidnitz/Pszenno. Schließlich ist der Kontakt zu Medien wichtig und darum mag die Mitwirkung eines Oppelner Verlages weiterführend sein.
Zum Meinungs- und Erfahrungsaustausch trafen viele deutsche Teilnehmer ein. Von der Sächsischen Bauverwaltung über ein Dresdener Büro für Umweltkommunikation bis zur Heimatkreisvereinigung Lüben sowie denkmalbezogener Heimatortshelfer, von ehrenamtlichen Kuratoren eigener Ausstellungen bis zu Kollegen vom Deutschen Kulturforum östliches Europa aus Potsdam reichte das Spektrum.
Wichtig für die weitere Zusammenarbeit und das intensivierte Netzwerk der grenzüberschreitenden Kontakte ist die Tatsache, daß mehr als die Hälfte der polnischen Gäste erstmals im HAUS SCHLESIEN waren. Bei der erweiterten Zusammenarbeit wissen sie somit, wer die deutschen Partner sind und was deren Tätigkeit und Möglichkeiten ausmacht.

Abwechslungsreiches Tagungsprogramm

Das viertägige Programm begann am Anreisetag mit einem Besuch des Sächsischen Agrar- und Freilichtmuseums im Schloß Blankenhain. Die Anlage im Zwickauer Land stellt ein gutes Beispiel für ein museal genutztes Rittergut dar.
Der zweite Tag begann in Königswinter mit verschiedenen Grußworten, so seitens der Stellvertretenden Landrätin des Rhein Sieg-Kreises, Gräfin von Strachwitz, und des Bürgermeisters der Stadt Königswinter, Peter Wirtz. Wie es zum Europäischen Denkmaltag kam und was daraus in Deutschland wurde, erläuterte Carolin Kolhoff, deutsche Koordinatorin bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in Bonn. Ihr folgte ein Bericht über die Tätigkeit der polnischen Koordinatorin des Europäischen Denkmaltages beim Staatlichen Zentrum für Erforschung und Dokumentation von Kulturdenkmälern in Warschau. Diesem allgemeinen Teil schlossen sich die Erfahrungsberichte der Teilnehmer vom 1. Denkmaltag Niederschlesiens sowie Kurzvorstellungen einer großen Anzahl der vertretenen regionalen Organisationen an. Viele hatten auch gedrucktes Material mitgebracht und so füllten sich die Tagungsmappen zusehends. Einen Überblick über die Tätigkeit und das Organisationsgeflecht schlesischer Kultureinrichtungen in Deutschland bot Museumsdirektor Dr. Stephan Kaiser, der zudem als Tagungsleiter fungierte. Selbstverständlich war ein Besuch im Museum für schlesische Landeskunde, wo die Gäste in vier Gruppen an fünf Stationen kurze und konzentrierte Einführungen zu den Sammlungen und Präsentationsformen erhielten.
Am dritten Tag gab ein Grußwort des Förderreferenten bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Wolfgang Käppler, der Hoffnung Ausdruck, daß aus dem Zusammenwirken neue Impulse für den Erhalt der Vielfalt kulturellen Erbes erwachsen. Nicht nur die weiter fortschreitenden wirtschaftlichen Veränderungsprozesse, auch die Suche nach neuer Identität bedürfe der Rückbesinnung und Kopplung zu lokalen Denkmälern als Zeugnissen der Geschichte.

Führung im Rheinischen Industriemuseum in Euskirchen

Die Handlungsansätze und die thematische Breite von HAUS SCHLESIEN entsprechen solchen Zielvorgaben. Das zeigt sich auch in den konstruktiven Gesprächen der Tagungsteilnehmer in Arbeitsgruppen, wo nicht nur Ideen entwickelt sondern viele gemeinsame Aktionen für den 2. Denkmaltag im September 2005 besprochen werden konnten.
Ein Vortrag von Dr. Juliane Kirschbaum vom Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz zum Themenfeld "Denkmal und Öffentlichkeit in Deutschland" machte nochmals die Bedeutung eines frühzeitigen Marketings deutlich.
Am Nachmittag stand eine gemeinsame Exkursion nach Euskirchen in die Tuchfabrik Müller an, ein museal genutzter alter Textilbetrieb, der zum dezentralen Rheinischen Industriemuseum gehört. Da Denkmäler

Exkursion zum Herder Institut in Marburg

immer auch der Herausforderung neuer Nutzungen standhalten müssen und ohne Nutzung kaum ein Denkmal, schon gar kein Industriedenkmal, eine langfristige Überlebenschance besitzt, war der vorgestellte Museumsbetrieb für alle ein besonders eindrucksvolles Erlebnis.
Der Rückreisetag wurde durch den Besuch des Herder-Instituts in Marburg unterbrochen. In aufschlußreichen Führungen wurden die insbesondere für die schlesische Landes- und Denkmalkunde bedeutsamen Sammlungen vorgestellt. Auch dieser Besuch war ein Baustein, denn keine fertigen Produkte, aber doch Beiträge zu einem gemeinsamen Angebot sollten schließlich zustande kommen. Mit frischen Eindrücken machten sich die polnischen Gäste auf den langen und winterlichen Heimweg.

Bewußtsein schaffen für das kulturelle Erbe

Miteinander besser bekannt und mit den Zielen eines öffentlichen Denkmaltages näher vertraut, steht nun die Gestaltung des Programmes zum 2. Denkmaltag an. Mit der Ausrichtung auf Schlösser, Parks und Gärten hat die polnische Seite ein attraktives und zugleich auch hochgefährdetes Themenfeld vorgegeben. Es wird für Schlesien ein Balanceakt, denn der einstmals riesige Bestand hochkarätiger Anlagen ist in weiten Teilen gefährdet und hat teilweise bereits unersetzliche Verluste erlitten. Doch neben hoffnungslos zerfallenen Herrensitzen stehen doch noch viele Objekte und haben Chancen für die Rettung in letzter Stunde. Manch gutes Beispiel wird auf jeden Fall beim Denkmaltag seine Türen öffnen und zu besichtigen sein.
Dies ist denn auch die Botschaft, die über den Kreis der Teilnehmer dieser Arbeitstagung hinausreicht: In Schlesiens Erbe liegt die kulturelle Zukunft Schlesiens. Der Denkmaltag möchte Bedeutung und Wert von Denkmälern in das Bewußtsein der Öffentlichkeit bringen und auf diese Weise zum Erhalt der schlesischen Denkmallandschaft beitragen.

Programmvorschau auf den Denkmaltag am 17. / 18. September 2005

Am 17. und 18. September 2005 ist jeder eingeladen, nach Schlesien zu kommen und ausgewählte Objekte dieser reichen Kulturlandschaft näher und aus vielfach ungewöhnlicher Perspektive kennenzulernen.
Leitobjekte des Schwerpunktthemas „Schlösser, Park und Gärten“ werden u.a. Schloß Erdmannsdorf im Hirschberger Tal und Schloß Brieg sein. In Jauer und Schweidnitz werden nicht nur die Friedenskirchen als UNESCO-Welterbestätten, sondern auch unbeachtetere Objekte zu besuchen sein. Im breiten Bogen von Bad Muskau über Grünberg, den Oderraum bis zu Eichendorffs ruinösem Stammsitz Lubowitz und über die Festung Neisse zurück ins Riesengebirge wird das diesjährige Angebot entwickelt.
Sicherlich zuviel für einen Besuch an allen Stationen, aber doch überall wird sich Interessantes finden, und zumindest einiges sollte man sich nicht entgehen lassen.
Geplant sind dazu auch verschiedene Gruppenreisen. Interessenten können sich von den Ausgangspunkten Görlitz, Breslau und ab Haus Schlesien, Königswinter, auf organisierte Entdeckungsreise begeben.
Das detailierte Programm ist ab Ende April 2005 im Internet erhältlich.