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"Auf den Spuren der Zisterzienser in Schlesien" Mein Reisebericht über die Studienreise vom 3.-12. Juni 2010 ausgerichtet vom HAUS SCHLESIEN
Erwartungsvoll trafen 13 der 15 Reiseteilnehmer am Fronleichnamstag im HAUS SCHLESIEN ein. Unser Ziel Schlesien wurde uns nahe gebracht mit einer Museumsführung durch Frau Findeisen. Beim festlichen Abendessen, an dem auch unser Busfahrer teilnahm, erhielten wir zunächst jeder ein Namensschildchen und eine Mappe mit Unterlagen z.B. Stadtplänen. Dazu ein Kärtchen in polnischer Sprache von unserem Reiseleiter Herrn Sobek: "Ich habe mich verlaufen, bitte rufen Sie unseren Reiseleiter an…" Um es gleich zu sagen, diese Kärtchen wurden nicht gebraucht.
4. Juni. Die Fahrt verlief staufrei, bei angenehmen 17 - 20 Grad, und wir erreichten nach mehreren Pausen sowie einem Kurzaufenthalt in Görlitz das Sankt-Wenzeslaus-Stift in Jauernick-Buschbach oben am Berg/Gemeinde Markersdorf. Wir wurden von dem Geschäftsführer, Herrn Rudolph, mit den herzlichen Worten begrüßt: "Danke, dass Sie die Sonne mitgebracht haben, bis gestern hat es hier geschüttet." Danach haben wir das nahe gelegene Zisterzienserkloster Marienthal besucht, das seit 776 Jahren - ohne Säkularisation - besteht. Sehr engagiert erklärte uns der Führer die Gebäude und Kostbarkeiten und konnte darüber hinaus mit den Worten: "Als ich noch Kind und Jugendlicher war" vom Klosterleben der Zisterzienserinnen erzählen.
5. Juni. Über die Fernstraße ging es bis Bunzlau, danach Autobahn 4 bis Abfahrt Liegnitz und nach Jauer zur Friedenskirche. In diesem seit dem Jahre 2001 zum Weltkulturerbe gehörenden evangelischen Gotteshaus, nach dem Westfälischen Frieden nur aus Holz und Lehm gebaut, bekamen wir die Führung über einen Tonträger. Alle waren von diesem gewaltigen, aber hellen und freundlichen Gebäude beeindruckt. Nun ging es weiter zum Kloster Leubus, dem ältesten und größten Zisterzienserkloster, von dem aus wesentlich die Besiedlung Schlesiens vor vielen hundert Jahren begann. Nach einer Führung durch das Kloster nahmen wir an der feierlichen Ausstellungseröffnung "200 Jahre Säkularisation in Schlesien" teil. Es erfolgten Ansprachen und Grußworte von dem Vorsitzenden der Fundacja Lubiaz, dem Landrat von Wohlau, dem Präsidenten des Hauses Schlesien, Herrn Reinhard Blaschke, dem Generalkonsul Herrn Dr. Brasak und der Museumsleiterin vom HAUS SCHLESIEN, Frau Nicola Remig. Das Ganze wurde umrahmt von einem kleinen Konzert des deutsch-polnischen Max-Joseph-Trios aus München mit Stücken von Chopin, Schumann und Ravel. Diese Ausstellung wird, wie schon ihre Vorgängerinnen "Reisen durch Schlesien", "Schlesische Grabkunst", "Reichlich süß" und die "Oder-Ausstellung" dort im Kloster verbleiben.
Da die Buslenkzeiten es leider nicht zuließen, dass alle Reiseteilnehmer auch um 18 Uhr in der Friedenskirche am 16. Friedenskonzert teilnehmen konnten, fuhr der Bus ohne mich nach Breslau. Die Reisegruppe unternahm dort noch einen geführten Abendspaziergang auf dem Ring und nahm das Abendessen ein.
6. Juni Breslau. Nach einem guten Frühstück im sehr zentral gelegenen Hotel Prima begann ein großer Stadtrundgang. Vor unserer letzten Station, dem Museum im restaurierten Stadtschloss, besuchten wir noch in der Universität die Aula Leopoldina. Der Nachmittag stand zur freien Verfügung. Ich traf mich mit Frau Irene Lipman, Geschäftsführerin des DFK Breslau. Sie war vor Jahren als Referentin bei mir im HAUS SCHLESIEN zu einer Tagung. Zum Abendessen traf sich unsere Gruppe wieder in einem Lokal am Ring.
7. Juni. Wieder mit unserer Breslau-Führerin Frau Kadlewicz - fuhren wir zum Kloster Trebnitz, dem Kloster der hl. Hedwig. Professor Kiełbasa gab uns eine ausführliche Erläuterung zum Leben und Wirken der Zisterzienserinnen hier im Kloster, führte uns in die Krypta und die Sakristei und zeigte uns die vielen Kostbarkeiten. Er sprach auch über die Marienverehrung und den Zusammenhang mit dem hl. Nepomuk und darüber, wie wichtig es doch ist, dass ein Kloster einen Heiligen besitzt. Im Speiseraum des Klosters nebenan, hatten die Schwestern ein kleines Mittagessen für uns vorbereitet. Auf dem Weg dorthin sahen wir im Innenhof eine besonders schöne Hedwig-Statue. Nach staureicher Rückfahrt nach Breslau besuchten wir dort die restaurierte Synagoge "Zum Weißen Storch" mit Führung und Übersetzung und durften einen Blick in eine Thorarolle tun. Später folgte die Fahrt zu den Wasserspielen an der Jahrhunderthalle, die nun, seit dem sie zum Weltkulturerbe gehört, auch im Polnischen "Jahrhunderthalle, Hala Stulecia" anstelle der bisherigen Bezeichnung "Volkshalle, Hala Ludowa" heißt.
Breslau ist eine wahnsinnig junge Stadt: Junge Frauen mit Babys, Kleinkindern und viele Studenten - ein herrlich lebendiges Bild. Aber: Alle erklärenden Tafeln an Sehenswürdigkeiten und wichtigen Gebäuden sind nur 2-sprachig beschriftet: polnisch und englisch. Schade.
8 Juni. Bevor wir in Brieg unser letztes Mitreisepaar aufnahmen, hatten wir eine Stunde Zeit, das Schloss, die zwei Kirchen und das Rathaus mit dem Ring unter privater Führung kennen zu lernen. Danach besuchten wir den heiligen Berg der Oberschlesier, den Annaberg und konnten die hl. Anna Selbdritt in ihrem weißen Festgewand bewundern. Es folgte eine kleine Pause und unser nächstes Ziel in Oberschlesien war das ehemalige Kloster Himmelwitz. Die Klosterkirche wird heute als Stadtkirche genutzt. Der dortige Pfarrer erklärte uns die vielen Sehenswürdigkeiten und Kostbarkeiten und erzählte uns über die wechselvollen Geschehnisse zum Ende des Krieges. Die Mittagspause verlebten wir mit gemeinsamem Rundgang und anschließender Freizeit in Oppeln am Ring. Den Tag mit Abendessen und Übernachtung beschlossen wir im Schloss Stubendorf.
9.Juni. Auf der Fahrt zum Kloster Groß Rauden machten wir einen kurzen Halt am Schloss Groß Stein, in dem der hl. Hyazinth geboren wurde, und wo man nun ein modernes Kneipp-Kurbad eingerichtet hat. Hier befindet sich der Altersruhesitz von Erzbischof Prof. Dr. A. Nossol. Die Mittagspause folgte in Ratibor.
In Groß Rauden erwartete uns eine junge Frau, die uns verriet, dass dies ihre erste Klosterführung, noch dazu in deutscher Sprache wäre. Die Klosterkirche besitzt ein wertvolles romanisches Tor und eine barocke Marienkapelle. Dazu auch viele moderne Elemente. Das große angrenzende - lange Jahre sehr ruinöse - Klostergebäude wird intensiv restauriert und manche Räume, die später mal als Priesterseminar, Museum und Begegnungsstätte der Diozöse Gleiwitz genutzt werden sollen sind schon fertig, hier konnten wir eine Ikonenausstellung bewundern. Auf dem Weg durch den angrenzenden Park, wurden uns zwei Eichen gezeigt, eine für den Papst Johannes Paul II und eine für den Papst Benedikt XVI gepflanzt.
Dieser Tag war sehr intensiv. Es folgte noch in Neiße die Besichtigung des Glockenturms der Jakobuskirche mit dem Neißer Domschatz, der erst vor wenigen Jahren wiederentdeckt wurde. Er war lange in der Kirche eingemauert. Viele Exponate waren schon in einer Sonderausstellung in unserem HAUS SCHLESIEN zu sehen. Der Gang durch die Jakobuskirche mit Betrachten der Eichendorff-Büste und dem Text der dritten Strophe seines Liedes: "Wem Gott will rechte Gunst erweisen" führte uns auch zu dem Seitenaltar der Schwester Maria Merkert. Sie wurde die schlesische Samariterin genannt und im Vorjahr selig gesprochen.
10. Juni. Nach dem Frühstück besuchten wir das Eichendorff-Grab auf dem Neißer Friedhof. Seit einiger Zeit sind ein neuer Parkplatz, ein neues Eichendorff-Denkmal, ein Eichendorff-Weg und Hinweisschilder zum Grab eingerichtet. Mit ehrenden Worten von Frau Seibt wurde ein Blumengebinde, mit Schleifen in den Farben weiß/gelb und gelb/blau mit der Aufschrift: "HAUS SCHLESIEN e.V. Königswinter" und "in tiefer Verehrung" niedergelegt. Danach lasen Frau Seibt und Herr Sobek gemeinsam den Text des Liedes "Wem Gott will rechte Gunst erweisen" vor.
Es folgte die Fahrt zum Kloster Kamenz. In dieser Klosterkirche sind zweimal die 14 Nothelfer dargestellt. Ungewöhnlich und sehr schön. Die ausführliche Führung, auch durch das Museum mit vielen wertvollen Ordensgewändern und einem Deckenfresko mit Klosterdarstellungen, wurde durch den Museumsleiter vorgenommen. Nach kleiner Stärkung mit Kaffee, Saft und Keksen, fuhren wir zum Kloster Heinrichau. Ein Novize der Zisterzienser führte uns - leider auf polnisch - durch die außen restaurierte große Anlage mit wunderschönen Räumen und vielen Kostbarkeiten. Die außergewöhnlich schöne Monstranz ist zurzeit allerdings in Breslau an ein Museum ausgeliehen. Herr Sobek hat wie immer gekonnt gedolmetscht. Die Weiterreise brachte uns nach Kreisau. Ein geschichtsträchtiger Ort, der heute als Jugendbegegnungsstätte genutzt wird. In dieser weiten, gepflegten Anlage ist seit Neuestem ein großes Stück der Berliner Mauer mit einer Erläuterungsplatte aufgestellt worden. Nach kurzer Pause erreichten wir unser Hotel am Stadtrand von Waldenburg. Ein abendlicher Kurzbesuch am sehr ruhigen Ring in Waldenburg, eine Stippvisite im nahen Bad Salzbrunn und ein gemütlicher Terrassenaufenthalt am Hotel beendete diesen Abend.
11. Juni. Wir besuchten das Bergleute-Denkmal in der Innenstadt, das im Dezember 2007 aufgestellt wurde und die Namen der Gruben ringsum und der verunglückten Bergleute aufzeigt und fuhren weiter zum Kloster Grüssau. Erneut erlebten wir eine gute und ausführliche Führung, diesmal wieder in deutsch. Es gab unendlich viel zu sehen. Die Josephskirche mit den großen Willmann-Gemälden, die die hl. Familie vor erkennbarem schlesischen Hintergrund zeigen. Die Marienkirche wird zurzeit eingerüstet (in zwei Jahren Weltkulturerbe?!). Danach betrachteten wir die Fürstengruft mit dem Sarkophag von Bolko I sowie den kleinen Friedhof und das hl. Grab neben dem Klostergebäude. Zur Mittagspause erfolgte zunächst ein kleiner Rundgang in Hirschberg mit Rathaus und Ring - vorbei an der Gnadenkirche, danach war etwas Freizeit. Mein Weg führte mich in das neu eröffnete schöne Café vom Bäcker- und Konditormeister Furtak aus Jauer (Mitglied im HS). Es gibt hier sehr leckeres Eis, geliefert von einem Italiener aus Berlin. Besonderheit in Hirschberg: Alle wichtigen Gebäude und Sehenswürdigkeiten sind mit großen 3-sprachigen Schildern versehen: polnisch, deutsch, englisch. Von Hirschberg aus durchfuhren wir das Hirschberger Tal, vorbei an den typischen Tiroler Häusern in Erdmannsdorf, sahen das Schloss Lomnitz und das restaurierte Schloss Schildau. Nach kurzer Pause erreichten wir unser Hotel in Bad Warmbrunn. Ein schmackhaftes polnisches Abendessen und ein gemütliches Beisammensein im hoteleigenen Biergarten beschlossen den letzten Abend.
Rückreisetag, 12. Juni. Ab Jena regnete es für eine Weile heftig bei nur noch 16 Grad. Zum Ausladen und Verabschieden am HAUS SCHLESIEN, das wir um 18.15 Uhr planmäßig erreichten, war es wieder trocken. Die Temperatur war auf 11 Grad zurückgegangen. Nach 3400 km, davon 1300 km in der Bundesrepublik Deutschland und 2100 km in Schlesien kehrten wir wohlbehalten zurück. Danke nochmals dem Fahrer, dem Reiseleiter und der ganzen Gruppe, das alles so gut und harmonisch verlaufen ist. Eine wunderschöne Reise mit manchen Extras ging zu Ende, und eine fröhliche und zufriedene Reisegruppe versprach ein Wiedersehen im HAUS SCHLESIEN.
Sigrid Seibt
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