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Schlesiens Bergwelt Unsere Reise 2011
Donnerstag, 26. Mai Am Nachmittag werden im HAUS SCHLESIEN zwölf erwartungsfrohe Damen und Herren von Herrn Sobek begrüßt. Nachdem alle ihre Zimmer bezogen haben, machen wir erst einmal mit Frau Remig eine „Reise“ nach „Schlesien auf alten Landkarten“ durch die aktuelle Ausstellung. Zum Abendessen an der festlich gedeckten Tafel im Raum Irmler gesellt sich dann Frau Beringer, die für uns das Reiseprogramm bereit hält. Später kommt auch Matthias, unser Busfahrer. Die Küche hat wieder mal ihr Bestes gegeben.
Freitag, 27. Mai Pünktlich fahren wir um ½ 8 Uhr ab. Staufrei erreichen wir am frühen Abend unser Hotel in Bad Warmbrunn/Cieplice Zdrój. Nach dem Abendessen bummeln wir noch ein bisschen durch den kleinen Ort, dem ältesten Kurort in Schlesien, heute ein Stadtteil von Hirschberg/Jelenia Góra.
Samstag, 28. Mai Heute begleitet uns Ina durch den Tag. Das Thermometer klettert nur bis 11°. Die Schneekoppe ist kaum zu sehen; mit Inas Worten heißt das: sie ist „benabelt“. Deshalb finden sich auch nur zwei Teilnehmer, die unter Führung von Herrn Sobek Auffahrt und Aufstieg wagen wollen. Wir anderen machen mit unserem Bus und Ina eine Rundreise durch das Hirschberger Tal. Hochhäuser und Riesenhotels verschandeln das Stadtbild von Krummhübel/Karpacz. Die Stadt ist heute der wichtigste Urlaubsort der Region. Zwischen Krummhübel und Brückenberg erfahren wir, dass man auch heute noch mit Rübezahl rechnen muss: An einer bestimmten Stelle der Straße „verschiebt“ er ganz einfach unseren stehenden Bus! Wir fahren vorbei am Schloss Arnsdorf, an der Anna-Kapelle, an dem Städtchen Hain, wo Margarete Marschalk geboren wurde (die 2. Frau von Gerhart Hauptmann), am Kynast, der 1645 beim Gewitter durch einen Brand zur Burgruine wurde. Dann erreichen wir Agnetendorf, das nach einer Tochter des Grafen Schaffgotsch benannt worden ist. Hier baute sich Gerhart Hauptmann 1901 sein „Traumhaus“, in dem er bis zu seinem Tod 1946 wohnte. „Haus Wiesenstein“ hatte fast jeder von uns schon einmal besichtigt, so dass wir uns darauf beschränken, im Park das „Hannele“ zu begrüßen. Bruder Carl wohnte bis zu seinem Tod 1921 in Mittelschreiberhau. Sein Haus ist heute das „Museum der Gebrüder Hauptmann“. Schreiberhau war im 17. Jh. Zentrum der Glasherstellung. Seit dem 19. Jh. ist die Josephinenhütte als bedeutendste Glashütte bekannt. Zudem ist der Ort heutzutage ein beliebtes Ziel des Fremdenverkehrs. An der Grenze zwischen Iser- und Riesengebirge stürzt in mehreren Etappen der Zackelfall herab. Wir machen einen kleinen Spaziergang dorthin. Nach der Mittagspause fahren wir wieder Richtung Krummhübel. Und wieder macht sich Rübezahl bemerkbar, indem er unseren Bus auf der abfallenden Straße ein Stück nach oben schiebt. Gegenüber dem Schloß Schildau hat ein Storch bereits sein Nest bezogen. Eine Kaffeepause gibt es dann im Schloss Lomnitz, das inmitten eines großen Parks im Bobertal liegt. Im Schloss selbst ist jetzt die Ausstellung „Schlesische Städte – Gestern und heute“ zu sehen, die HAUS SCHLESIEN initiiert hatte. Auf dem Weg zurück nach Bad Warmbrunn kommen wir an dem Flugplatz vorbei, von dem Hanna Reitsch manches Mal gestartet war.
Sonntag, 29. Mai Das Wetter sieht gut aus. Mit Ina machen wir einen kleinen Rundgang durch Hirschberg. Dann geht’s weiter über das mittelalterliche Schmiedeberg zum Miniaturenpark niederschlesischer Baudenkmäler. Hier sind Bauten und Berge im Maßstab 1:25 bzw. 1:50 dargestellt. Bei herrlichem Sonnenschein lassen wir uns durch den Park führen. Bevor wir nach Grüssau kommen, machen wir in Schömberg Halt bei den „12 Apostelhäusern“, die wir gerade schon im Miniformat gesehen haben. In jedem der kleinen Häuser ist ein Geschäft eingerichtet. Hier gibt es Andenken, Schmuck und wunderschöne Leinendecken zu kaufen. Auf einem Parkplatz „serviert“ uns Matthias heißen Kaffee und leckere Bockwürstchen aus seiner Bordküche. Gut gestärkt lassen wir uns dann von Ina die Schönheiten der Josefskirche im Kloster Grüssau erklären. Ende des 17. Jh. entstanden die großartigen Malereien des Meisters Michael Willmann, dem wir in Schlesien immer wieder begegnen können.
Montag, 30. Mai Im sogenannten Böhmischen Winkel liegt Bad Kudowa, ein Heilbad für Herz, Kreislauf und Verdauungssystem. Früher führte hier ein wichtiger Handelsweg von Prag nach Breslau. Unsere Fahrt durch die Grafschaft Glatz beginnt bei blauem Himmel. Am Mittag zeigt unser Bordthermometer sogar sommerliche 26°! Im klimatisierten Bus spüren wir die Hitze nicht. Entlang der Weistritz führt ein schöner Wanderweg nach Bad Reinerz. Eine Heilquelle war zwar schon um 1400 bekannt, aber erst zur Zeit Friedrichs des Großen wird eine Kuranstalt gebaut. Von dem höchstgelegenen Kurort Bad Reinerz fahren wir zum höchstgelegenen Wintersportort, Grünwald. In diesem Ort gab es früher 170 Bauernhöfe, die nach der Vertreibung der Bauern leer standen. Polen, die aus dem Osten hierher umgesiedelt werden sollten, hatten keine Ahnung von Landwirtschaft im Gebirge und zogen also wieder fort. So verfielen die Häuser, bis der Wintersport Einzug hielt. Auf den Wiesen an unserem Wege leuchten gelbe Glatzer Rosen, allgemein als Trollblumen bekannt. Vorbei geht’s an Bad Altheide, dem einzigen Bad, das ein Casino besitzt; an Mittel- und Obersteine – hier hat Prinz Charles 2011 das Schloss gekauft. Dann erreichen wir Glatz. Wir schwärmen aus und schauen uns in der Stadt um. Dann geht die Fahrt weiter. In Terrassen am Neisse-Ufer liegt Habelschwerdt, die Stadt, in der der Dichter Herrmann Stehr geboren wurde. Häuser im Schweizer Stil begegnen uns in Wölfelsgrund. Zum Abend sind wir wieder in Bad Kudowa.
Dienstag, 31. Mai Heute kann endlich gewandert werden. Unser Ziel ist der „Altvater“. Der Altvater ist mit 1491 m der höchste Berg in Mähren. Von Bad Kudowa aus fährt uns Matthias noch einmal quer durch die Grafschaft Glatz. Über Reichenstein, Kamenz und Patschkau erreichen wir die tschechische Grenze zum Hultschiner Ländchen. Gleich dahinter liegt das Städtchen Jauernig/Javornik, wo einstmals die Sommerresidenz der Breslauer Bischöfe war. Rechts und links der Straße leuchten die Felder von Klatschmohn, Raps und Kornblumen in der Frühlingssonne. Nach Jesenik führt die Straße an der weißen Oppa entlang ins Gebirge nach Karlova Studanka. Ab hier gibt es für Touristen einen Shuttlebus zu jeder vollen Stunde bis zum Ausgangspunkt der Wanderung; zu jeder halben Stunde zurück. Wir dürfen mit unserem Bus fahren. Aber dann geht es zu Fuß weiter. Diejenigen, denen der Weg zu beschwerlich ist, können von den verschiedenen Cafés aus die herrliche Aussicht genießen, bis die Wanderer zurückgekehrt sind. Schon von weitem sieht man die lange Spitze des Fernsehturmes. Die Sonne meint es gut mit uns, aber oben weht ein kräftiger Wind. Eine knappe Stunde brauchen wir für den Weg hinauf. Das markanteste Bauwerk ist der futuristische Turm, der zur Tschechischen Radiokommunikation Prag gehört. In dem kleinen Restaurant finden wir Bier und Kaffee. Rechtzeitig zur halben Stunde sitzen wieder alle im Bus. Hinter Troppau/Opava erreichen wir wieder schlesisches Gebiet und fahren ins Odertal nach Ratibor. Doch wir wollen noch weiter: nach Lubowitz. Hier wurde 1788 Joseph Freiherr von Eichendorff geboren. Das Schloss ist 1945 abgebrannt und jetzt nur noch eine Ruine. Gleich daneben wird aber der Friedhof vom Deutschen Freundschaftskreis gepflegt und in einem Haus in der Nachbarschaft ist eine „Gedächtnisstube“ zur Erinnerung an den Dichter eingerichtet. In Oberschlesien lebt eine deutsche Minderheit (ca. 150 000). Der Freundschaftskreis hat z. B. erreicht, dass die Ortsschilder zweisprachig sind. Herr Sobek war sein Geschäftsführer und kann uns über seine Arbeit ein wenig berichten. Jedes Jahr feiert man in dem 250-Seelen-Dorf am 10. März den Geburtstag des großen Sohnes. 1855 zog Eichendorff nach Neisse. Dort starb er zwei Jahre später. Lubowitz ist schon vor 3000 Jahren Siedlungsplatz gewesen. Bei Ausgrabungen wurden u.a. 850 Urnengräber gefunden. Jenseits der Straße und unweit der Ruine finden wir heute im Eichendorff-Zentrum unser Nachtquartier.
Mittwoch, 1. Juni Nach dem Frühstück besuchen wir das Eichendorff-Zentrum, den Friedhof und die Schlossruine. Gleich hinter dem alten Gemäuer fällt das Gelände steil ab. Dahinter blitzt das Wasser der Oder. Dicker Regen erwischt uns ausgerechnet, als wir am St. Annaberg aussteigen wollen. Von oben und unten nass, steigen wir die vielen Stufen zur Kirche hinauf. Hier findet gerade ein Gottesdienst statt, so dass wir die Kirche nicht besichtigen können. Dort, wo man sonst einen herrlichen Blick in die Landschaft hat, am großen Torbogen … nichts als Regen. Unser nächstes Ziel ist in Raschau ein deutsch-polnischer Kindergarten mit angeschlossener Grundschule. Die Kinder aus den umliegenden Ortschaften werden hier zweisprachig und im Sinne der Montessori-Pädagogik unterrichtet. Gefördert wird das Projekt auch mit Mitteln des Deutschen Bundesministeriums des Inneren. Angehende Deutschlehrer haben hier die Möglichkeit, sich weiterzubilden. Die Leiterin und eine Kollegin laden uns zu einem kleinen Imbiss ein und zeigen uns einen Film über die Anfänge der Schule. Wir sind ganz beeindruckt von der Arbeit dieses jungen Teams. Im Breslauer Hotel Best Western, von früheren Reisen schon bekannt, erwartet uns schon „unsere“ Stadtführerin Christina. Bei einem ersten Gang in die Stadt besichtigen die Innenräume des Rathauses.
Donnerstag, 2. Juni Heute machen wir einen großen Stadtrundgang und besuchen die Elisabethkirche, die Leopoldina und die Dominsel. Am Mittag besteigen wir ein Schiff zu einer Fahrt auf der Oder. Wir genießen den besonderen Blick vom Wasser aus auf die Stadt, auf den modernen Bau der neuen Oper und die Bootshalle des allerersten Rudervereins. Englische Studenten waren es, die hier zum ersten Mal eine Regatta gefahren sind. Heute beginnt eine Tagung des Richard-Wagner-Verbands. Zum Eröffnungskonzert um 19 Uhr in der Universitätskirche ist die Bevölkerung eingeladen. So können wir – wer mag – auch daran teilnehmen. Das Breslauer Kammerorchester Leopoldinum spielt Werke von Grieg, Karlowicz und natürlich Wagner. Von Kirche und Konzert sind wir begeistert.
Freitag, 3. Juni Unser letzter Tag im polnischen Schlesien. Am frühen Nachmittag klettert das Thermometer auf 26°. Aber wir sitzen ja im klimatisierten Bus. Es geht einmal rund um den Zobten. Dann fahren wir gen Westen; vorbei an Schweidnitz mit dem höchsten Kirchturm Schlesiens (103 m) und Striegau, wo wir erfahren, dass man auf der Domplatte in Köln auf Granit aus Striegau läuft. Groß Rosen liegt am Weg, das ehemalige KZ-Lager. Mittags werfen wir einen Blick in die Friedenskirche in Jauer und machen einen Gang über den Ring. Unterwegs „erzwingen“ wir uns einen Foto-Stop an einem Feld mit wunderschön leuchtendem Mohn. Am frühen Nachmittag fahren wir mit einem Bähnchen auf den Hausberg von Görlitz, die Landeskrone. Von hier aus hat man einen herrlichen Blick über die Stadt an der Neisse. Nach dem Abendessen im „Nachtschmied“ trägt uns der Wirt die Geschichte vom Nachtschmied vor.
Samstag, 4. Juni Vor der Abfahrt zeigt uns noch unser Stadtführer auf einem kleinen Rundgang seine Stadt. Dann heißt es: Adieu Schlesien! Nach einer guten Fahrt biegen wir am frühen Abend wieder auf den Parkplatz von HAUS SCHLESIEN ein, nicht ohne vorher unserem Fahrer Matthias ein herzliches Dankeschön für seine umsichtige und ruhige Fahrweise und seine tägliche Hilfsbereitschaft in die Hand zu drücken. Wir sind alle wohlbehalten wieder zurück und kehren mit vielen neuen, schönen Eindrücken von Schlesien heim. Danke, HAUS SCHLESIEN, Herr Sobek, Frau Beringer!
Elisabeth Kern
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