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Reisebericht Nach Breslau zur Eröffnung der Websky-Ausstellung
Vom 17. bis 21. September 2009 fand eine von HAUS SCHLESIEN organisierte Kurzreise nach Breslau zur feierlichen Eröffnung der Sonderausstellung "Wolfgang von Websky" statt.
In gespannter Erwartung versammelten sich die siebzehn Teilnehmer am Busparkplatz vor HAUS SCHLESIEN in Heisterbacherrott. Die meisten waren als Kinder aus ihrer schlesischen Heimat vertrieben worden und sind schon öfter als Heimwehtouristen ins Land der Väter gefahren. So konnte selbst das graue Triefelwetter die gute Stimmung im Bus nicht trüben. Voller Schwung übernahmen Frau Offermann und Herr Sobek die Reiseleitung.
In Görlitz angekommen, erwartete die muntere Reisegruppe eine gelungene Stadtführung durch Thomas Maruck. Herrlich ebenso der Vortrag einer gruseligen, „wahren Stadtgeschichte“ mit Hammer und Amboß beim Nachtmahl im "Schankhaus zum Nachtschmied". - Einfach Klasse!
Am nächsten Tag dann die mit Spannung erwartete Reise auf der alten Autobahn in die schlesische Hauptstadt. Der Himmel riß auf: Wenn Engel reisen! Sollte das kein gutes Omen sein? In der "Perle an der Oder" angekommen, erwartete die Schar einiges an sportlichen Herausforderungen: Vom Bus aus ging es gleich ins ehemalige preußische Königsschloß mit der Ausstellung "1000 Jahre Breslau". Wir rieben uns die Augen: Ein Exponat schöner als das andere, wunderbare Gemälde, Fotos, Stadtansichten, Gebrauchsgegenstände und vieles andere mehr aus der langen Geschichte der schlesischen Metropole. Es erstaunte der unbefangene Umgang mit der deutschen Geschichte der Stadt, beispiellos zusammengetragen und geführt von Dr. Łagiewski, dem Leiter des Museums. Diese Ausstellung mitsamt seiner einprägsamen Führung bleiben unvergesslich.
Danach rasch das Zimmer beziehen im Hotel und zurück ins Museum zum eigentlichen Zweck der Reise. Dr. Michael von Websky und Dr. Łagiewski hielten die Eröffnungsansprachen. Tenor: deutsch-polnische Aussöhnung, mit dem Hinweis auf die bereits wundersam erfolgte deutsch-französische. Etwa 150 Polen und Deutsche lauschten ergriffen den Ausführungen. Die achtzig ausgestellten Bilder von Wolfgang von Websky fanden dann großen Widerhall. Im Zentrum die "Klage um Breslau", ein beeindruckendes Werk. Aber auch die anderen Kunstwerke wie "Mary Wigman" fanden bereitwilligen Anklang (ich für meinen Teil konnte mich restlos davon überzeugen, dass mein "Nachdenkliches Fienchen" für die vorgesehenen drei Monate dort einen vortrefflichen Platz gefunden hatte - gutes armes Fienchen!). Am nächsten Tag konnte jeder nach "seiner Facon selig werden" und den Tag nach Gutdünken nutzen, um bei den alten Preußen im Bild zu bleiben. Am Abend dann ein weiterer Höhepunkt: Ein Konzert mit 1000 Sängern an der Jahrhunderthalle. Anschließend eine Art "Wassermusik" - ohne Händel: Zu den Klängen von Wagners "Walkürenritt" oder Orffs "Carmina Burana" etwa entfalteten Springbrunnen, in mystischen Farbspielen beleuchtet, rhythmisch ihre Pracht. Märchenhafte Stimmung kam auf. Viele von uns waren von der Darbietung noch bis lange in die Nacht hinein ergriffen. Am nächsten Tag Fahrt nach Schweidnitz mit Besichtigung der Friedenskirche. Ich schloß mich Frau Wittmann an, die ihre alte Schule wiedersehen wollte. Welch eine Freude und Wehmut kamen bei ihr auf, als wir die Schule nach einem strammen halbstündigen Eilmarsch durch den zauberhaften niederschlesischen Ort erreichten. Wie leichtfüßig die alte Dame dabei über das Pflaster der Stadt glitt, hat mir schon sehr imponiert. Als "Nachgeborener" kann man sicher nur leise erahnen, was in Frau Wittmann beim Wiedersehen mit ihrem alten Schulgebäude vorging...
Ein Abstecher führte uns dann bei strahlendem Sonnenschein zum Gut Kreisau, wo wir eine Führung durch einen Zivildienstleistenden bekamen. Es war sein letzter Tag und so gab er sich besonders viel Mühe. Gerade hier wurde uns vor Augen geführt, welcher idealistische Mut die Widerständler um Graf James von Moltke antrieb und was vielen Millionen Menschen noch erspart geblieben wäre, hätten sie Erfolg gehabt... Beeindruckend auch, wie nach dem fast völligen Verfall des Gutes nach der Wende zumindest die äußere Bebauung rekonstruiert worden ist.
Die letzte Station unserer Reise führte uns nach Bautzen. Im Gasthaus "Wjelbik" erfuhren wir die Gastfreundschaft der Sorben und deren Sprache. "Moja lubka" durfte ich dabei erfahren, heißt "mein Liebchen". Herrlich!
Auf der Rückreise konnten wir dann vom Bus aus die malerischen Umrisse der Stadt im Morgennebel bewundern. Die Rückreise versank vollständig im Nieselregen.
Dank der ausgeklügelten Vorbereitung durch Frau Offermann und der kenntnisreichen Begleitung durch Herrn Sobek war das ein wundersamer, traumhafter Streifzug in ein für Viele versunkenes Land.
Wolfgang Majerczyk
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