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Sonntagsvorträge und Prominentengespäche

Ein Abend mit dem Kardinal

meisner1Im Rahmen der inzwischen fest etablierten Veranstaltungsreihe „Prominentengespräche“ im HAUS SCHLESIEN konnte Dr. Joachim Sobotta, ehemaliger Chefredakteur der Rheinischen Post, am 3. November Joachim Kardinal Meisner begrüßen. Der gebürtige Breslauer, der seit 1989 Erzbischof von Köln ist, kam auf Einladung des Geschäftsführers Heinz Stirken ins Haus. Im Plauderton erzählte der 1933 geborene Kardinal vor rund 160 Gästen von seiner Kindheit im nahe Breslau gelegenen Lissa, der Flucht mit Mutter und Großmutter über Dresden nach Thüringen und seiner Jugend in der Diaspora. Je älter man werde, so Meisner, desto mehr Erinnerungen aus der Kindheit und Jugend kämen zurück. Er erzählte, wie er als Junge am Dreikönigstag in Thüringen vor dem Radio des Nachbarn die heilige Messe aus dem Kölner Dom verfolgte und sich wünschte, dort auch einmal sein zu können. Ein Wunsch, der viele Jahre später tatsächlich in Erfüllung ging.
Nach einer Banklehre trat er 1951 ins Priesterseminar ein, holte das Abitur nach, studierte Theologie und Philosophie, promovierte, wurde Priester und schließlich 1975 zum Bischof geweiht. 1980 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Bischof von Berlin. Das Bistum Berlin umfasste den Ost- wie den Westteil der Stadt und galt als eines der kirchenpolitisch schwierigsten Bistümer. "Ich konnte jederzeit in den Westen“, so Meissner, „schlafen musste ich aber immer im Sozialismus." Kurz nach dem ersten Katholikentreffen in der DDR 1987, auf dem er noch die Gläubigen aufgerufen hatte, ihr Land nicht zu verlassen, wurde er gegen seinen Willen vom Papst zum Bischof von Köln ernannt. 1989 kurz vor der politischen Wende kam Meisner so nach Köln.
Während des eineinhalbstündigen Gesprächs gab der Kardinal anhand heiterer und ernster Episoden einen tiefen Einblick in seine Biographie und nahm die Zuhörer ganz nebenbei mit auf einen Gang durch die deutsch-deutsche Nachkriegsgeschichte. Immer wieder kamen dabei seine schlesischen Wurzeln zum Vorschein, sei es in der Sprache oder bei dem Bericht über die Zusammenstellung des alljährlichen Weihnachtsessens. Als bekennender Schlesier unterstrich er in seinem Schlusswort auch die Bedeutung der Arbeit von HAUS SCHLESIEN als Kultur- und Begegnungsstätte.
Trotz seines vollen Terminkalenders nahm er sich noch Zeit, einige Fragen aus dem Publikum zu beantworten und signierte bereitwillig Bücher. Nach einem kurzen Besuch in der Sonderausstellung „Klosterdämmerung“ verabschiedete sich der Kardinal nach gut zweieinhalb Stunden.

Silke Findeisen